Es war Liebe auf den ersten Ton. Und wie bei den meisten Romanzen der Zufall, der die Protagonisten zusammenführte: Wir schreiben das Jahr 2009 als ich STARS das erste Mal live sehe. Zu meiner Schande muss ich gestehen, der einzige Song, den ich zu diesem Zeitpunkt von ihnen kenne, ist natürlich 'Take me to the riot'. Jetzt, ein Jahr später, höre ich den Opener des neuen Album "The Five Ghosts" und fühle mich sofort zurückversetzt zu diesem Konzert. Kein schlechter Einstieg.
Wie von Geisterhand soll das fünfte Album von Kanadas meist verehrter Band STARS geschrieben worden sein. Wahrer "Luxus" sei es gewesen, "The Five Ghosts" aufzunehmen, denn zum ersten Mal kam man in den Genuss, zusammen, als vollständige Band, mit allen Mitgliedern vereint in einem Raum zu sein und neue Songs zu schreiben.
Die Freude über diese neue Möglichkeit schlug sich auch auf das Album positiv nieder. Selten hörte man STARS so abwechslungsreich in Komposition und Arrangement. Den elektronischen Tönen wurde mehr Platz eingeräumt, es darf getanzt werden ('I don’t want your body', 'Wasted Daylight'). Es werden aber auch die ruhigen Momente und Duette, die für die große Emotionalität von STARS sorgen und für die sie geliebt werden, nicht außen vor gelassen.
Bestes Beispiel dafür ist gleich zu Beginn der Opener 'Dead hearts'. Begleitet von Streichern singen Amy und Torquil von allgegenwärtigen, toten Herzen, die aussehen wie kleine Kinder, die wir einst kannten. Unbeschwerter erzählt Amy in 'Wasted Daylight' von einem Tag im Bett mit dem Liebsten, ohne Reue ob des verschwendeten Tageslicht. Alles was zählt ist das Hier und Jetzt. Eine Stufe romantischer wird es dann bei 'I died So i could haunt'. STARS sind nach wie vor Meister darin, Drama und Bombast zu vermählen und Popmusik zu schaffen, wie nur STARS es können. Nicht selten lässt der Synthesizer-Sound der 80er grüßen, vor allem im mittleren Teil des Albums, bevor es zum Ende hin noch einmal dramatischer wird. 'Much More' zeigt Amys ganzes Können als Frontfrau. Überhaupt werden diesmal insgesamt mehr Songs allein von ihrer Stimme getragen, was vielleicht die Geister scheidet, der Stimmung auf dem Album insgesamt allerdings gut tut.
Man muss aber anmerken, dass es STARS neben all den großartigen Songs auf "The Five Ghosts" nicht gelingt, in neue Sphären vorzudringen oder sich - trotz der Tatsache, zum ersten Mal als Band gemeinsam an den Songs gearbeitet zu haben - neu zu erfinden.
Vielleicht, weil sie für sich schon angekommen sind. Oben, am Pophimmel. Und es vorziehen für immer in unseren Gehörgängen zu spuken. Als fünf Geister.