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TOCOTRONIC - Schall & Wahn
[Vertigo Berlin /Universal] VÖ| 22-01-2010
Die Zeit der geschrammelten Rockmusik ist bei den sagenhaften Helden der Hamburger Schule längst vorrüber; doch mit ihrem letzten Teil der sogenannten "Berlin-Trilogie" setzen TOCOTRONIC nach "Pure Vernunft Darf Niemals Siegen" und "Kapitulation" noch einen drauf: "Schall Und Wahn!".
Mit der Kraft der orchestralen Vertonung besingen die Herren das Gute und das Böse, den Schmerz, den Zweifel und die Auflösung des Selbst. Zwölf mal offenbaren sie sich in Aussagen, die anklagend und herzzerreißend wie eh und je ins Mark dringen. Selbst dem gewagtesten aller Themen, der Liebe, widmen sich TOCOTRONIC auf ihrem nun mehr neunten Studioalbum intensiv wie nie zuvor. Was einst zaghaft in Songs wie "Jackpot" oder "Näher Zu Dir" begann, manifestiert sich nun nicht immer all zu positiv in tiefgreifenden Liedern mit Titeln wie "Eure Liebe Tötet Mich" oder "Das Blut An Meinen Händen". Ja, sie bleiben sich treu, sie bleiben kritisch. Und vor allem, strotzen sie stets vor Energie, einer Kraft, angetrieben durch Wut, Verzweifelung und Wahnsinn.
Die erste Single "Mach Es Nicht Selbst" kristallisiert sich schnell zu einem der Höhepunkte des Albums heraus, auch wenn ich generell Single-Auskopplungen etwas kritischer betrachte; hier war die Wahl genau die Richtige. Eine weitere Parole, die sich nicht nur TOCOTRONIC-Fans sondern die ganze Welt auf die Fahne oder das T-Shirt schreiben kann: "Was du auch machst/ mach es nicht selbst/ auch wenn du dir/ den Weg verstellst/ Was du auch machst/ sei bitte schlau/ meide die Marke Eigenbau". Natürlich bieten auch die übrigen Songs Zitate für jede Lebenssituation, typisch TOCOTRONIC eben.
Eine Odysee quer durch die Abgründe unserer Gesellschaft; ein gewaltiges Feuerwerk, das durch episch-melancholische Momente genauso besticht wie durch aufmüpfiges Chaos.
Somit schließt sich das Kapitel "Berlin-Triologie", aber wir dürfen schon jetzt gespannt sein, wie der nächste Streich aussehen wird, denn das war noch nicht das Ende. TOCOTRONIC haben einfach viel zu viel zu sagen. Wir danken Ihnen, meine Herren, und verbeugen uns, demütig, im Wahn des Schalls. Wertung von Flamingyouth:

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[Jessica Lehmann 28-01-2010]
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