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  ROLLING STONES - Gimme Shelter [DVD]

[Warner]
VÖ | 04-12-2009

Nicht weniger als das bittere Ende der Love’n’Peace-Generation soll einem hier in Bild und Ton serviert werden. Und wahrhaftig! Die symbolische Art und Weise wie die Fimmacher die Ereignisse rund um das gigantische Umsonst-und-Draußen-Konzert, das die ROLLING STONES mehr oder weniger spontan 1969 in San Francisco initiierten und das rund 300.000 Verrückte anlockte, einfängt, geht weit über gewöhnliche Live- und Backstage-Reportagen hinaus. Ein Zeitdokument, das Drama, Thriller und Action-Film zugleich ist. Nicht zuletzt dank des mitreißenden Auftritts der Motorrad-Gang HELLS ANGELS.

Welcher Leser sich nun wundert, dass hier ein Film besprochen wird, der in den 70ern schon in den Kinos lief - es geht um die überarbeitete und nun frisch veröffentlichte DVD-Fassung. Ein Musikfilm wie dieser darf aber ruhig immer mal wieder ins Gedächtnis nachfolgender Generationen gerufen werden, das schadet nicht. Spätestens nach „Gimme Shelter“ muss man eingestehen: Das war alles unwiderbringlich superabgefahrencrazy, was damals rund um Open-Air-Events noch ablief. Kaum war der Riesen-Rudelbums Woodstock verdaut, sollten die STONES mit einem Konzert nachlegen, zu dem ebenfalls hunderttausende Musikfans und Drogenliebhaber erwartet wurden. In der Woche vor dem Event - auch die alles entscheidende Woche für die Spontan-Organisation, die im Wesentlichen von führenden Woodstock-Köpfen übernommen wurde - tourten die ROLLING STONES noch durch New York und andere US-Städte.  Der Film zeigt Ausschnitte dieser Konzerte, aber auch, wie der stets zu seinen Gunsten aufgeblasene MICK JAGGER aus seinem Tour-Wohnwagen heraus scharfsinnig analysiert: „Das Ganze ist ja nicht nur ein Konzert. Es ist nur ein Vorwand. Wir schaffen die Gelegenheit, dass Menschen sich begegnen, miteinander sprechen, miteinander schlafen, miteinander bumsen, sich berauschen und berauchen.“ Kam im Prinzip dann auch alles so, nur blöderweise waren - anders als offenbar in Woodstock - nicht alle Protagonisten auf dem selben Mode bzw. auf den selben Drogen.

Die für ihre gute Laune bekannten HELLS ANGELS, die sich laut den Veranstaltern ohne explizite Einladung in die Rolle der Securitys begaben, machten den versammelten Hippies einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Von wegen jeder ist gleich und jeder darf alles. Wer den ANGELS nicht gehorchte, ihnen auf irgendeine Weise blöd kam, der bekam direkt auf’s Maul. Wahlweise mit bloßen Fäusten oder umgedrehten Billiard-Queues. Die Kameras fangen die Aggressivität unmittelbar vor der Bühne sehr gut ein. Ob, wie die ANGELS hinterher behaupten, „mit schlechtem Speed zugedröhnte Hippie-Kids“ die Aggressoren waren, darf angesichts der wütenden leder- und jeansbejackten Motorradrocker stark bezweifelt werden. Wie auch immer. JAGGER und Co. mussten ihren Auftritt vor legendärer Kulisse zigmal unterbrechen, denn immer wieder brach Tumult aus. Dass am Ende gar ein Mann, der angeblich samt gezogener Schusswaffe zur Bühne stürmte, von einem ANGEL niedergestochen wird, das ist das eigentliche Drama und die eigentliche Geschichte hinter „Gimme Shelter“.  Die Regisseure wussten darum und arrangierten faktisch den gesamten Film um dieses blutige Ereignis herum. Da können IRON MAIDEN noch so oft vom Teufel singen. Erschienen ist er in seiner ganzen brutalen Pracht den ROLLING STONES. Am 6. Dezember am Altamont Speedway zu San Francisco.      

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[Bernd Skischally 16-12-2009]

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