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  HELLSONGS

METAL, WIE IHN AUCH MEINE OMA LIEBT.

Um ihr neues Album "Hymns In The Key Of 666" auch dem deutschen Publikum vorzustellen, lenkten HELLSONGS ihr farbenfrohes Metalgefährt Richtung Berlin um auf der MS HOPPETOSSE ein Konzert der besonderen Art zu spielen. Doch zuvor traf man sich zum netten Plausch mit Harriet, Kalle und Johan.

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem Erfolg in Schweden. Ich habe gelesen, das Album ist direkt in die Top 10 eingestiegen?

Kalle: Ja, gleich in der ersten Woche.

Seid ihr überrascht, dass es den Leuten so sehr gefällt?

Harriet: Wir waren sehr überrascht, als wir vor vier Jahren anfingen. Jetzt sind wir noch immer überrascht und sehr dankbar. Auch darüber, dass es nun endlich Leute gibt, die uns helfen, mehr Menschen zu erreichen. Als wir mit HELLSONGS begannen, machten wir die erste LP noch alleine und nun geht alles ein wenig schneller. Und dafür sind wir sehr dankbar.

Welche Arten von Musik interessieren euch persönlich? Ist es tatsächlich Metal oder sind es auch andere Musikrichtungen?

Kalle: Bei mir was es früher ausschließlich Metal, aber das war, als ich zwischen 15 und 18 Jahre alt war.

Stilecht mit langem Haar?

Kalle: (lacht) Mit langen Haaren, ja!

Johan: Ich habe nie ein Foto aus dieser Zeit gesehen.

Kalle: Hast Du nicht?

Harriet: Oh, ich kenne welche.

Kalle: Ich werde Dir eins zeigen...Meine Haare waren ungefähr Schulterlang (zeigt die Länge)...es war nicht schön. Aber heute höre ich alles.

Zum Beispiel? Hat sich dein Musikgeschmack sehr geändert?

Kalle: Nun, zum Beispiel...mag ich MADONNA, ich mag KINGS OF CONVENIENCE, AT THE GATES.

Johan: In letzter Zeit hören wir viel LONEY, DEAR.

Kalle: Oh ja, LONEY, DEAR, kennst Du Ihn? Er wurde veröffentlicht über Sub Pop.

Kenne ich gar nicht, nein. Ist er aus Schweden?

Harriet: Ja.

Kalle: Er ist ein Pop-Typ, macht sehr schöne Songs.

Johan: Wir machen gerade Werbung für unsere schwedischen Freunde.

Habt ihr die Bands, die ihr covert auch live gesehen? SLAYER, BLACK SABBATH oder MEGADEATH? All diese großen Bands?

Kalle: Oh ja. Ich sah SLAYER auf dem Hultsfredsfestival, dem größten Festival in Schweden. Das war 1995 und ich hatte einen Freund bei mir, einen guten Schlagzeuger - in der Tat einen der besten Schwedens - und er war sehr verärgert zu dieser Zeit, was gut war für mich. Denn das Publikum war total verrückt, tausende von Menschen und ich eingequetscht mittendrin. Manchmal dachte ich, ich würde zu Boden gedrückt und die Menge würde über mich springen und ich würde sterben. Aber mein Freund war so groß und hielt uns die Menschen mit seinen Ellenbogen vom Leib. Mein Bodyguard. Es war ein großartiges Konzert. Und ich habe IRON MAIDEN gesehen, drei Mal, denke ich.

In einem Interview mit der Metal Band GODGORY, auch aus Schweden, habe ich gelesen, dass es sehr schwer ist, in eurer Heimat mit harter Musik erfolgreich zu sein. Weil sich die Medien nicht für diese Art von Musik interessieren. Macht ihr ähnliche Erfahrungen?

Johan: Eigentlich ist harte Musik in Schweden beliebt...

Kalle: Wir haben zum Beispiel die Band IN FLAMES, die großen, weltweiten Erfolg hat. Die haben keine Probleme.

Harriet: Aber es stimmt, die Musikkanäle spielen keine Metalmusik.

Kalle: Wenn überhaupt, dann auf den Rock orientierten Kanälen, die werden dann aber nicht national gesendet.

Demnach war es sehr clever von euch, aus den Metalsongs zu Akustikversionen zu machen. Aber das war nicht die Intention HELLSONGS zu gründen, oder?

Kalle: Nein, nein, gewiss nicht. Und ich bin mir auch gar nicht so sicher, ob das so clever war. Denn wenn wir im Radio gespielt werden, bekommen nicht wir dafür Geld, sondern der eigentliche Künstler. Wir bekommen gar nichts.

Harriet: Man kann sagen, wir machen das als ein Geschenk.

Kalle: (lacht) Wir unterstützen die fünf Reichsten der Metal-Welt.

Harriet: Johan beschreibt das gern so: Wir hoffen, dass wir Leute, die sonst eigentlich keinen Metal hören, für diese Musikrichtung begeistern können. Wenn sie unsere Musik hören, denken sie vielleicht: „Hm...ich sollte mir auch einmal die Originale anhören.“ Wir sind also nur die Fälschung.

Was war dann der wirkliche Grund? Was steht hinter HELLSONGS? Und der Idee, gerade Metalbands zu covern?

Kalle: Kennst Du ZWAN? Sie haben nur ein Album veröffentlicht und wahrscheinlich auch nur eine Single...aber auf der B-Seite dieser Single gibt es einen ganz bestimmten Song. Ein Cover von ’Number Of The Beast’ und es ist sehr schön. Es hört sich an, als hätten sie einfach ein Mikrophon in die Mitte des Studios gestellt, um das sich ein paar Akustikgitarren versammelten. Eine Person schlägt den Rhythmus auf dem Bauch einer Gitarre. Sehr schön. Ich bin mit dem Song aufgewachsen und fing damit an, ihn auf der E-Gitarre nach zuspielen. Aber ich verstand nie den Text, bis ich die Version von ZWAN hörte. Ich war über 25 Jahre alt und dachte: „Wow, das ist großartig!“ Und ich überlegte mir, dass es noch viel mehr Songs geben muss, die sich gut anhören, wenn man sie auf ähnlich ruhige Weise spielt. Also rief ich Harriet und Johan an und sagte: „Hey! Lasst uns eine Band gründen, die Songs aus dem Metalkatalog spielt und sie auf akustische Art darbietet.“

Wie habt ihr die Bands ausgesucht, die es auf “Hymns In The Key Of 666“ schafften? Einfach die größten oder gab es bestimmte Kriterien?

Harriet: Die Texte sind uns sehr wichtig. Sie dürfen auf keinen Fall sexistisch sein. Es müssen gute Texte sein.

Kalle: Intelligente Texte.

Harriet: Wir waren in der Tat sehr überrascht, dass die meisten wirklich intelligent sind und darum haben wir diese Lieder gewählt.

Ich muss zugeben, die Texte sind mir auch das erste Mal wirklich aufgefallen. Viele erzählen von Krieg und der Schlacht auf dem Feld. Aber wenn Du die Lieder singst, klingen sie plötzlich wie eine Metapher für z.B. eine Beziehung.

Harriet: Ja...ich bin mir nicht ganz sicher, ich verallgemeinere an dieser Stelle, aber wir denken, in unserer Welt ist es so wichtig, Mann und Frau zu sein, wir sehen nicht wirklich, dass wir an erster Stelle und vor allem Menschen sind. Also werden wir schon so aufgezogen. Als Jungen und Mädchen. Uns wird erklärt, wie wir die Dinge zu sehen haben. Und wenn Metalfans hauptsächlich männlich sind, sehen sie die Dinge anders als ich als Frau sie sehe. Das stimmt natürlich, auf eine Weise. Aber im Endeffekt kann ich als Frau was sie können und sie können, was ich kann.

Kalle: Nicht das Geschlecht ist bestimmend sondern die Person.

Harriet: Es ist sehr interessant und gleichzeitig sehr einfach mit den Rollen zu spielen.

Demnach ist es nicht komisch für dich die Texte, die ausschließlich von Männern geschrieben und gesungen wurden, zu singen?

Harriet: Nein. Aber das wäre es, wenn sie z.B. von Vergewaltigung oder etwas anderem Schrecklichen handeln würden.

Kalle: Wir würden niemals über so etwas singen.

Harriet: Wir sind alle drei Feministen.

Eine andere Frage: Alle Leute, mit denen ich über das Album sprach, sind begeistert. Habt ihr aber auch Bekanntschaft mit Journalisten oder Menschen gemacht, die sagten: „Ihr seid verrückt! Das ist mein Lieblingssong und ihr habt ihn mit eurer Coverversion ruiniert!“

Kalle: (lacht) Nun, es gibt ein paar Rezensionen...

Harriet: Wir haben nie jemanden persönlich getroffen aber wir bekamen schon einige negative Mails.

Johan: Das hat vielleicht mit den Erwartungen zu tun, die geweckt werden, wenn man unseren Bandnamen hört. Man denkt wahrscheinlich an Hardrock und dann hört man das Album und schreibt eine schlechte Kritik.

Kalle: Es gibt da eine Rezension einer kleinen Internetseite „Getmetal.com“ die bestimmt etwas brutaleres erwartete. Aber ich denke, wir sind auf eine Art brutaler, als man annimmt. Denn betrachtet man Metal als einen Kreis und nicht als Skala, dann stellt sich die Frage: Was kommt dann? Wir haben hier POISON, daneben GUNS’N’ROSES, dann ACCEPT, Powermetal, HELLOWEEN, dann Speed Metal (Kalle fährt einen imaginären Kreis auf dem Tisch), SLAYER, ENTOMBED, MORBID ANGEL und nach dem schlimmsten Satan Metal, was könnte da noch kommen, außer: HELLSONGS. Und an diesem Punkt beginnt alles wieder von neuem. Demnach könnten wir der Anfang oder das Ende sein. Je nachdem.

Gibt es auch eigene Stücke, die ihr geschrieben habt? Und spielt ihr die live oder wird das getrennt von HELLSONGS?

Kalle: Ja, aber das ist dann nicht HELLSONGS. Wir haben alle auch noch andere Projekte.

Ist das wichtig, für einen Künstler, der covert. Als kreativer Ausgleich, so zu sagen?

Kalle: Nun, wir beginnen mit den Originalen, entfernen uns davon aber behalten dabei einige Punkte bei und dann transformieren wir die Songs. Manchmal fühlt es sich sogar so an, als ob es unsere eigenen Songs sind, die wir vortragen. Auch wenn mir bewusst ist, dass das nicht wahr ist. Manchmal ist es schwer.

Für mein Verständnis covert ihr die Songs auch nicht nur, ihr Interpretiert sie neu.

Kalle: Wir sind nicht daran interessiert, auf herkömmliche Weise zu covern oder wie IRON MAIDEN zu klingen. Das wäre uninteressant.

Harriet: Ich machte einmal die lustige Erfahrung, in einem Laden, in dem im Hintergrund das Radio lief. Ich hörte ein Lied, das mir irgendwie bekannt vor kam und ich fragte mich: „Was ist das für ein Song? (singt leise“occupied my brain“) Oh! Es ist ’Paranoid’ von BLACK SABBATH. Ich hatte das Original noch nie zuvor gehört.

So wird es bestimmt einigen Leuten gehen. Heute Abend spielt ihr ein Konzert auf der MS Hoppetosse. Eine sehr schöne und beliebte Location. Freut ihr euch schon?

Harriet: Oh ja, sehr. Wir stellen uns das auch sehr schön vor.

Dann danke ich für das Interview und wünsche viel Erfolg und ein schönes Konzert.

Foto©P3000

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[Vesna Filipov 08-07-2008]

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Homepage
www.hellsongs.com
www.myspace.com/hellsongs
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